Geschichte

die Geschichte des Ortsverein Obersieker

Der Ortsverein Obersieker wurde laut Volkswacht am 01. Januar 1906 gegründet.

Aus dem Ortsverein entsprangen in den Jahren 1909 und 1910 so die Ortsvereine Stieghorst und Ubbedissen.

Die Gemeinde Sieker war wie ihre Nachbargemeinden im 19. Jahrhundert ein typisches Heimweberdorf. Sie begann am Rütli und erstreckte sich nach Norden hin bis zum heutigen Langen Kampe. Dafür war die Gemeinde in Ost-West Richtung äußerst schmal. In westlicher Richtung reichte sie kaum über die heutige Otto-Brenner-Straße hinaus und wurde im Osten durch die Gemeinden Oldentrup, Stieghorst und Ubbedissen begrenzt. Im Jahre 1820 waren mehr als 83% aller Erwerbstätigen Weber oder Spinner. Die einsetzende Industrialisierung mit ihrem stetig ansteigenden Arbeitskräftebedarf führte dazu, dass viele Weber und Spinner ihren häuslichen Arbeitsplatz einbüßten und Fabrikarbeiter wurden. Dabei wurde der Wohnsitz aber nicht in die Nähe der Fabriken verlagert, sondern man blieb in der angestammten dörflichen Gemeinschaft wohnen. Auch junge Arbeiter setzten lieber darauf, später einmal das elterliche Haus zu übernehmen, oder sich in unmittelbare Nähe ein eigenes Haus zu bauen. Aus dem Heimweberdorf war dadurch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Arbeiterbauerndorf geworden.

Diese Entwicklung der Gemeinde Sieker erklärt, warum die Sozialdemokratie in Sieker zur führenden politischen Kraft werden konnte. Das erste Mandat bei den Gemeindewahlen in Sieker erlang die SPD 1898 in der dritten Abteilung des damaligen Dreiklassenwahlrechts und 1901 das zweite. Die „Roten“ waren von da an aus der dritten Abteilung nicht mehr zu verdrängen. Als 1907 die Erhöhung der Sitze der Gemeindevertreter von sechs auf zwölf beschlossen wurde, eroberten die Sozialdemokraten weitere zwei Sitze. Leider schlug der Versuch fehl, die zweite Abteilung auch für die SPD zu gewinnen. Dabei fehlten den Sieker Sozialdemokraten nur ein paar Stimmen.

 

Der Durchbruch kam nach der Aufhebung des Dreiklassenwahlrechts für Kommunalwahlen am 24. Januar 1919 in Preußen. Endlich wurde dieses ungerechte Instrument der Konservativen und Besitzbürgern abgeschafft, dass ihnen mehr Sitze bescherte als der SPD.

 

Mit Johann Heinrich Köhne bekam Sieker 1919 seinen ersten sozialdemokratischen Gemeindevorsteher. Köhne war ebenfalls Abgeordneter des Westfalenparlaments von 1919 bis 1928. der Genosse August Gielsdorf folgte Köhne und war von 1928 bis 1930 der letzte Gemeindevorsteher in Sieker bis zur Eingemeindung.

 

Am 01. Oktober 1930 wurde Sieker offiziell in den Kreis Bielefeld eingemeindet. An die Zeit vor der Eingemeindung erinnerte sich der Genosse und Gewerkschafter Fritz Vogt (geb. 1897), der bis zur Machtergreifung der Nazis der Bielefelder Stadtverordnetenversammlung angehörte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog er für Sieker in den Stadtrat ein und bekleidete über lange Jahre das Amt des Bürgermeisters.

 

 

Die Gemeinde Sieker war ein Industriearbeiterwohngebiet. Die Arbeiter waren bei großen Fabriken wie Koch, Anker, Dürkopp usw. beschäftigt. Die Gemeinde selbst war arm. Wir hatten Mühe das Geld für die drei Volksschulen aufzubringen. Wir waren alle eigentlich glücklich, dass wir im Jahre 1930 eingemeindet wurden, wir waren damit vor allem eine große finanzielle Sorge los. Die starke politische Bindung an den Ortsverein wurde durch die Eingemeindung nicht unterbrochen. Man betrachtete sich noch als „Siekeraner.“

 

Die erste Kommunalwahl nach der Eingemeindung im Jahre 1930 verdeutlichte das Kräfteverhältnis der Sozialdemokraten in Sieker. Mit 3360 Stimmen konnte die SPD fast 66% der Stimmen für sich vereinigen. Auch die letzte Kommunalwahl am 12. März 1933, die auf Anordnung Görings stattfand, änderte trotz der Erstarkung der NSDAP im Stadtteil kaum den Zuspruch von 56% der Siekeraner für die Sozialdemokratie.

 

Die NSDAP mit ihrer Strategie, die kommunalen Ämter mit ihren Leuten zu besetzen, schlug fehl und somit konnten sie ihren Einfluss in Sieker nicht stärken. Trotz der Einschüchterungen der SA-Truppen, die am 08. März 1933 das Haus des sozialdemokratischen „Reichsbanners“ stürmten und verwüsteten, wie auch am 09. März die Parteiflagge zusammen mit „volksfeindlicher“ Literatur auf dem Platz vor dem Rathaus verbrannten, blieben die Siekeraner davon unbeeindruckt und schenkten ein letztes Mal ihr Vertrauen der SPD. Sieker und Bielefeld blieben bis zu NS-Herrschaft rot!

 

Die Wahl hatte der NSDAP gezeigt, dass die Bielefelder „SPD-Tradition“ nicht auf „normalem“ Wege zu brechen war. Bereits wenige Tage nach der Kommunalwahl wurden Ratsmitglieder der SPD – unter ihnen der 2. Bürgermeister Josef Köllner – beurlaubt und auf Veranlassung des Regierungspräsidenten, Freiherr von Oeynhausen, entlassen. Auch bei den weiteren Wahlen (den Reichstagswahlen vom 12. November 1933 und der Volksabstimmung vom 19. August 1934 zur Vereinigung der Ämter des Reichskanzlers und Reichspräsidenten in einer Person) waren die Ergebnisse für die NSDAP nicht erfreulich, da sie im Vergleich zum Reichsdurchschnitt in Bielefeld immer unterlagen. Der Regierungspräsident versuchte die Wahlergebnisse folgendermaßen zu interpretieren: „In den Städten Bielefeld und Herford entfällt die überwiegende Zahl der ungültigen und Nein-Stimmen auf die ehemaligen Anhänger der marxistischen Parteien. In Bielefeld, als Heimatstadt des einstigen Ministers Severing, gab es noch zahlreiche frühere Funktionäre der SPD, die vergangener Geltung und, Größe' nachtrauerten und im Geheimen jede Gelegenheit zur Wiedergewinnung Unzufriedener wahrnahmen. Die Arbeiterschaft beider Städte und ihres Hinterlandes entstammt durchweg den bäuerlichen Kreisen des Minden-Ravensberger Landes. Sie waren klug, fleißig, von gradlinigem Charakter, mit ausgeprägtem Sinn für Recht und Sitte. Sie hat seit mehreren Generationen dem Marxismus zäh angehangen, es ist nicht anzunehmen, dass dieser Menschenschlag, selbst bei bestem Willen, innerhalb einer knappen Jahresfrist umlernt.“

 

Nach Kriegsende konnte die Baugenossenschaft Sieker ihre Wiedergutmachungsansprüche erfolgreich durchsetzen und das Holzgebäude wieder als kulturelles Zentrum nutzen.

 

In Sieker nahm die SPD nach dem Ende der Nazidiktatur rasch ihre politische Arbeit wieder auf. Im Vordergrund standen dabei die Fragen, wie das zukünftige Wirtschaftssystem in Deutschland auszusehen habe und welche Rolle die SPD bei dem demokratischen Neuaufbau zu übernehmen habe. So berichtete der Genosse Erdmann auf einer Mitgliederversammlung am 23. August 1947 über den Nürnberger Parteitag der SPD.

 

Das Gefühl, Siekeraner zu sein, blieb auch in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg erhalten. Daran hat auch die kommunale Gebietsreform am 01. Januar 1973 nichts geändert, auch wenn im Zuge der Neugliederung der Ortsteil Obersieker dem Stadtbezirk Stieghorst zuerkannt wurde, während Untersieker im Stadtbezirk Mitte verblieb.

Seit 1975 vertritt Bernd Möller, der gleichzeitig der Vorsitzende des Ortsvereins ist, die Belange des Stadtteils in der Bezirksvertretung und Regine Weißenfeld, die im Rat der Stadt Bielefeld. Um nur einige Errungenschaften für den Bezirk zu nennen, die ohne sozialdemokratische Zutun nicht möglich gewesen wären, folgende Beispiele:

 

  • Verlängerung der Stadtbahn-Linie 3 bis Stieghorst

  • Beseitigung des Sieker Loches (heute East-End-Tower)

  • OGS Osningschule, einschließlich Teilsanierung

  • Umbau der alten Gärtnerei an der Brokstraße zu einem Stadtteilbüro für Sieker, einschließlich Umzug des Jugendhaus Elpke in dieses Gebäude

  • Umbau der Sieker Endstation

  • Sanierung des Hillegosser Freibades

 

Seit 1985 ist Bernd Möller Ortsvereinsvorsitzender. Zuvor leitete sein Vater Heinz Möller die Geschichte des Ortsvereins und übergab es nach langer und intensiver Arbeit an seinen Sohn weiter, der bereits einigen politischen Erfahrungen für den Stadtteil in der Bezirksvertretung Stieghorst (Mitglied seit 1973) sammeln konnte.

 

Der Ortsverein hat seit der Gründung im Jahre 1906 in vielen Lokalen seine Versammlungen abgehalten. Zu nennen wären die Gaststätten Wellmann an der Sieker Endstation, Waldkrug an der Osningstraße, Schwan an der Detmolder Straße. Aber auch im Jugendraum des TuS Eintracht, in der Osningschule und letzteres im Partykeller bei Möllers an der Lonnerbachstraße trafen sich die Siekeraner „Sozis“ und hielten ihre Versammlungen ab. Kurios ist, dass noch heute ca. 1/5 der Mitglieder in der Lonnerbachstraße wohnen.

 

In den letzten Jahren beschäftigte sich der Ortsverein mit folgenden Themen:

 

  • Aktuelle Politik aus der Bezirksvertretung Stieghorst und aus dem Rat der Stadt

  • Landes- und Bundespolitik (Einladung von Referenten)

  • Internationale Politik (Beitritt der Türkei in die EU)

  • Jährliche Grillfeste mit den Mitgliedern

  • Stadtrundfahrten

  • Weihnachtsklön

 

Wie wir sehen können hat die Sozialdemokratie auch heute noch einen sehr festen Platz in Sieker. Für unsere zukünftige Arbeit wünschen wir uns mehr engagierte Bürger, die auch die sozialen Belange des Stadtteils berücksichtigen, und wieder solide Mehrheiten, um so die Interessen des Stadtteils in der Bezirksvertretung und im Rat besser vertreten zu können.

 

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Die Geschichte lehrt: Soziale Demokratie braucht aktive Demokraten. Frauen und Männer, die in vielfältiger Form und durch ehrenamtliches Engagement Demokratie mit Leben erfüllen und menschlich gestalten und gemeinsam mit anderen SPD-Mitgliedern für die Grundwerte eintreten.

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